Sinken bald die Gaspreise?
Die Gasversorger sind in der Bredouille: Der Bundesgerichtshof hat ihnen untersagt, ihre Preise ausschließlich ans Öl zu koppeln. Außerdem geht die Nachfrage zurück.
Wer 1989 noch 1,7 Cent für die Kilowattstunde zahlen durfte, musste 2005 schon 5 Cent zahlen. Fast dreimal soviel! Das hat einen Grund: Der Preis für Gas ist an den für Heizöl gebunden. Und der kennt unterm Strich nur eine Richtung: nach oben.
Nun macht sich Widerstand in Form von Bürgerbewegungen und Interessensgemeinschaften breit – mit einem Ziel: Runter mit den Gaspreisen. Zu Recht. Nun, nach über drei Jahren Kampf durch alle Instanzen gab ihnen der Bundesgerichtshof (BGH) recht. “Gaspreise, so die Richter, dürfen nicht allein an den Preis für Heizöl gekoppelt werden.” Das nämlich ermöglicht den Versorgern eine “unzulässige Gewinnsteigerung” – etwa durch sinkende Netz- und Vertriebskosten, die sie nicht weitergeben müssen.
Das Urteil schafft einen Mythos aus der Welt. Jahrelang hatten die Energiemanager argumentiert, die Ölpreisbindung schütze den Verbraucher – er profitiere schließlich auch von sinkenden Ölpreisen. Tatsächlich war die Kopplung vom allem eine Lizenz zum Geld drucken. Sie stammt aus den sechziger Jahren, als die Konzerne mit der Gasvermarktung begannen und hohe Investitionskosten hatten. Inzwischen jedoch sind die Pipelines abgeschrieben – fast halb Deutschland heizt mittlerweile mit Gas. Die Konzernmanager, die nach außen gerne den freien Markt preisen, verhindern mit der Bindung einen Wettbewerb zwischen den Energieträgern.
Der Richterspruch des BGH ist nur eines von mittlerweile vielen Urteilen, die die Geschäftspraktiken der Gasversorger als gesetz- oder wettbewerbswidrig geißeln. Doch keine Branche konnte sich bisher so effektiv gegen die Öffnung ihres Markts sperren. Wahre Kreatitivität entwickeln die Verantwortlichen vor allem beim Erfinden von Ausreden. So argumentierte die Branche lange, dass der Wettbewerb in ihren Leitungen gar nicht möglich sei, weil es unterschiedliche Gasarten gebe, die nicht vermischt werden dürfen. Mit der gleichen absurden Begründung stemmte man sich monatelang gegen den Transport von Biogas. Preiskalkulationen wollte man schon gar nicht offenlegen. Das echauffierte nicht nur die Verbraucherschützer, auch die Wettbewerbsbehörden schritten ein. Im Moment kann der Verbraucher selbst Bewegung in die Dinge bringen und die über Jahrzehnte gewachsene Machtverteilung der großen Gasanbieter aufbrechen, indem sie gegen höhere Preise protestieren oder gleich den Anbieter wechseln. Dadurch entsteht der benötigte Druck, die Gaspreise dauerhaft zu senken.
Erfahrungen mit dem Gasanbieterwechsel? Jetzt hier kommentieren:
